Somatisierungsstörungen und dissoziative Störungen
Körperliche Beschwerden ohne organisch erklärbare Ursache werden als somatoforme Symptome bezeichnet.
Dazu zählen unter anderem:
- anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung
- chronische Schmerzen
- Herz-Kreislauf-Beschwerden
- Magen-Darm-Probleme
Dissoziative (Konversions-)Störungen betreffen hingegen Funktionsverluste im motorischen, sensorischen oder kognitiven Bereich – etwa Lähmungen, Sehstörungen oder Gedächtnisprobleme. Diese Symptome erscheinen wie „abgespalten“ vom Bewusstsein und verursachen häufig nicht den erwartbaren Leidensdruck.
Unser therapeutischer Ansatz
Im Zentrum der Behandlung steht die Erkennung und Bearbeitung der auslösenden inhaltlichen Themen. Dabei können viele Aspekte eine Rolle spielen: u. a. Unsicherheiten, geringe Belastbarkeit, äußere Stressoren, Überforderung oder eingeschränkte Motivationslage. Die wichtigste Säule ist deshalb die individuelle Psychotherapie. Parallel muss ein Weg für den konstruktiven Umgang mit den empfundenen Krankheitssymptomen gefunden und ggf. die Verhältnismäßigkeit zu anderen Lebensthemen wiederhergestellt werden. Durch Stärken von Ressourcen und Kompetenzen soll zudem Gesundsein wieder attraktiv werden, weil somit die anstehenden Herausforderungen wieder bewältigt werden können und nicht mehr ängstigend wirken. In der individuellen Zukunftsplanung mithilfe unseres Sozialdienstes kann oft eine gute Perspektive gefunden werden, für die es sich aus Sicht des jungen Menschen hoffentlich lohnt, sich gegen die Symptome einzusetzen.
Ergänzend setzen wir auf nonverbale Therapieverfahren im Einzel-Setting – z. B.:
- Kunst- oder Musiktherapie
- Tanz-, Sport und Bewegungstherapie
- Ergo- und Arbeitstherapie
- intuitives Schreiben
- Emotionales Training
Der Einsatz kreativer Methoden ohne Leistungsanspruch kann spielerisch und jenseits von gewohnten rationalen Denkschleifen Problematiken sehr gut veranschaulichen und greifbar machen. Somit unterstützen Kreativtherapien das Erkennen und Bearbeiten von unbewussten Belastungen und fördern den Ausdruck von und Umgang mit inneren Empfindungen.
Des Weiteren gewährleistet die sog. Milieutherapie mit persönlichen Bezugsbetreuern aus dem Pflege- und Erziehungsdienst ein im Klinikalltag beständig mitlaufendes „Coaching“, um erworbene Therapie-Inhalte ins tägliche Tun zu übertragen und zu üben (sich etwas zutrauen, Neues ausprobieren, neue positive Erfahrungen machen, Dinge realistischer bewerten, das eigenen Handeln und Denken reflektieren, Selbst- und Fremdwahrnehmung abgleichen).
Durch das ganzheitliche, alle wesentlichen Lebensbereiche umfassende Behandlungskonzept erarbeiten sich die jungen Menschen insgesamt ein gutes Bewusstsein ihrer Selbst und ihrer Bedürfnisse, erleben Selbstwirksamkeit und können sich somit mehr zutrauen. Mit steigender Alltagsfähigkeit sollten bei erfolgreicher Therapie die Somatisierungssymptome zunehmend in den Hintergrund treten.
Unsere Therapie-Ziele
Alle therapeutischen Bausteine arbeiten darauf hin:
- dysfunktionale Denkmuster zu verändern
- Selbstsicherheit und Selbstvertrauen aufzubauen
- Bewältigungsstrategien und Problemlösungen zu entwickeln
Alltagstraining und Integration
Zur Förderung eines positiven Gesundheitsempfindens bieten wir altersgerechte und motivierende Freizeitangebote an.
Zudem unterstützen wir:
- die Einbindung von Angehörigen in die Therapie
- die Reintegration in Schule, Ausbildung oder Beruf
- den schrittweisen Aufbau von Belastbarkeit im Alltag durch Schulbesuch, Arbeitstherapie oder Praktika
Therapeutisch begleitete Alltagserprobungen bereiten auf die Rückkehr in das gewohnte Umfeld vor. Ziel ist es, am Ende der Therapie ein stabiles Selbstvertrauen aufgebaut zu haben – sodass die körperlichen Symptome nicht länger benötigt werden, um innere Konflikte auszudrücken.





