Essstörungen

Essen als Last

Bei Essstörungen wie Magersucht, Bulimie und Binge Eating nehmen ernährungsbezogene und ggf. gewichtsregulatorische Themen übermäßigen Raum ein. Verschiedene Formen können ineinander übergehen. Das Körperbild ist negativ und unrealistisch geprägt. Die Folgen reichen von gesundheitlichen Schäden bis zu psychischen Folgeproblemen.

Hilfe für Betroffene

In unserer Klinik stellen Essstörungen ein Schwerpunktthema mit entsprechend spezifischen Konzepten dar. Wir erstellen für jede*n Patient*in einen individuellen Therapieplan. Ziel ist ein ausgewogenes Essverhalten, nicht nur Gewichtsstabilisierung. Die symptombezogene Therapie kombiniert ernährungs- und bewegungstherapeutische Ansätze.

Zur Ursachenbehandlung steht jedoch die psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung im Mittelpunkt. Daneben werden Kreativtherapien, Sozialberatung und die persönliche Unterstützung im Alltag durch den Pflege- und Erziehungsdienst genutzt. Angehörige werden aktiv einbezogen. Für Schüler findet im Haus Unterricht in den Hauptfächern statt.

Selbstverantwortung fördern

Mit der Stabilisierung wächst die Eigenverantwortung, z. B. durch therapeutische Beurlaubungen, in denen das Erlernte nach guter Vorbereitung im eigenen Umfeld geübt wird. Eine Entlassung erfolgt im Idealfall erst, wenn das Essverhalten und das psychische Befinden zu Hause stabil bleiben. Parallel wird an Schule, Beruf und sozialen Kontakten gearbeitet, um einen sicheren Neustart zu ermöglichen.

Mehr Infos?

Auf unserer Seite „Infomaterial/Downloads“ finden Sie Flyer und Broschüren zum Thema.

Symptome bei Essstörungen

Magersucht (Anorexie) zeigt sich durch zunehmendes Weglassen hochkalorischer Lebensmittel, Fernbleiben von gemeinsamen Essenssituationen und kontinuierlichen, selbst herbeigeführten Gewichtsverlust (ggf. auch im Normgewichtsbereich – Untergewicht ist keine Voraussetzung für die Diagnose einer Anorexie!). Oft kommen zur Gewichtsreduktion Erbrechen und starke körperlich Aktivität mit Bewegungsdrang hinzu. Für die Diagnose sind eine bewusste Gewichtsabnahme, ein gestörtes Körperbild, Angst beim Essen und zwanghaftes Denken an Kalorien und Gewicht entscheidend.

Bei Bulimie (Ess-Brech-Sucht) stehen unkontrollierte Essanfälle mit anschließendem Erbrechen im Vordergrund. Das Gewicht bleibt meist noch im Normbereich, aber das Körperbild ist stark verzerrt.

Binge Eating (Esssucht) äußert sich durch erhöhten Lebensmittelkonsum im Alltag und heimliche, schambesetzte Essanfälle ohne Gegenmaßnahmen zur Gewichtsreduktion. Die Folge ist oft starkes Übergewicht.

Verhalten und Stimmung

Jugendliche mit Essstörungen zeigen häufig im Verlauf – im Falle von Untergewicht auch biologisch mit verursacht – eine depressive Entwicklung. Ablehnung des eigenen Körpers und resultierende Unsicherheiten im Umgang mit Gleichaltrigen führen oft zu Rückzugstendenzen aus dem sozialen Umfeld. Die Betroffenen zweifeln an sich selbst, haben Angst, Erwartungen nicht zu erfüllen.

Bei Magersucht werden eigene Interessen immer mehr zurückgestellt zu Gunsten des Funktionierens und der Überanpassung. Zur auferlegten Selbstdisziplin hinsichtlich des Essens gesellen sich Ehrgeiz und Perfektionismus in allen Lebensbereichen.

Bulimie-Betroffene handeln manchmal impulsiv, verletzen sich ggf. in Krisen selbst oder konsumieren mitunter Alkohol und Drogen als Selbsthilfemaßnahme zum Abbau von Druck oder negativen Gefühlen.

Binge-Eater ziehen sich oft zurück, leiden unter geringem Selbstwert und zeigen depressive Symptome.

Auffälliges Essverhalten

Bei Magersucht wird Essen selektiert oder vermieden. Betroffene meiden Fette und Zucker, essen nur bestimmte „gesunde“ Lebensmittel, diskutieren zu Hause über Zutaten, wiegen z.T. ihre Nahrung ab, essen extrem langsam und „umständlich“ und bewegen sich übermäßig. Trotz Gewichtsverlust bleiben sie oft erstaunlich leistungsfähig – bis zur Erschöpfung.

Bulimie bleibt anfangs wegen des stabilen äußeren Erscheinungsbildes meist unbemerkt. Hinweise sind plötzlicher hoher Appetit im Wechsel mit „Nulldiät“, verschwundene Lebensmittel oder gesteigerter Geldbedarf wegen Essenseinkäufen. Am Handrücken sind manchmal Bissmerkmale infolge des selbst ausgelösten Brechreflexes zu sehen.

Bei Binge Eating wird in relativ kurzer Zeit übermäßig viel und hastig gegessen und es gibt zudem heimliche, schambehaftete Nahrungsaufnahme. Dies resultiert in zunehmendem Übergewicht.

Körperliche Schäden

Essstörungen verursachen schwere körperliche Schäden, z.B.:

  • Schäden an Magen-Darmtrakt, Speiseröhre (bei Erbrechen), Leber, Pankreas
  • Störung von Stoffwechselfunktionen und blutbildendem System
  • Ausbleiben der Regelblutung, Verzögerung der körperlichen Entwicklung
  • Zahnschäden, Magen- und Halsschmerzen (v. a. bei Bulimie)
  • Herzrhythmusstörungen, verlangsamte Herzaktivität
  • Knochenschwund („Osteoporose“, v. a. bei Magersucht)
  • Haarausfall, Hauttrockenheit

Psychische Begleiterscheinungen

Viele Betroffene leiden unter Depressionen, Müdigkeit, Konzentrationsproblemen und Antriebslosigkeit. Bei Anorexie tritt häufig eine extreme Überaktivität auf – bis zur völligen Erschöpfung. Der Selbstwert ist beeinträchtigt, die soziale Unsicherheit steigt. Die Stimmung kann auch schwanken mit Gereiztheit und Impulsivität (öfter bei Bulimie).

Ursachen von Essstörungen

Die Ursachen von Essstörungen können sehr vielfältig sein, oft sind es unterschiedliche Faktoren, die eine Rolle spielen, z.B.:

Unsicheres Selbstbild

Bei sensiblen Menschen bestehen oft eine selbstkritische Haltung und der Wunsch, kein Missfallen zu erregen, wodurch das eigene Auftreten permanent hinterfragt wird. Erschwerend vergleichen sie sich ständig mit anderen, die ihres Erachtens „besser“ sind. Es entsteht ein quälendes, nicht enden wollendes Bedürfnis zur Selbstoptimierung. Da Essen und Figur im eigenen Einflussbereich liegen, verführen diese Themen, sich an ihnen auszuprobieren.
Diszipliniertes Hungern oder die Regulation von Kalorien und Bewegung beispielsweise kann ein Gefühl von Kontrolle und Stärke hervorrufen, so dass die Essstörung zur scheinbaren Selbstbestätigung werden kann. Entsprechende Internet-Foren vermitteln Zugehörigkeit und unterstreichen den persönlichen „Erfolg“ durch Krankheit.

Leistungsüberforderung 

Viele Jugendliche fühlen sich durch schulische Anforderungen überlastet. Oft sind auch die eigenen Leistungsansprüche hoch gesteckt. Wenn Erfolge ausbleiben, sinkt das Selbstbewusstsein. Minderwertigkeitsgefühle und Identitätszweifel nehmen zu, oft bis hin zu Depressionen. Da die Betreffenden sehr feinfühlig sind und anderen keine Last bereiten möchten, passen sie sich extrem an und fordern sich umso mehr. Ergebnis kann ein Perfektionismus auf allen Ebenen sein – Leistung, Körperbild usw. 

Erschwerter Umgang mit Gefühlen

In der Pubertät geraten viele Jugendliche emotional aus dem Gleichgewicht. Ihre Gefühle überfordern sie, was zu innerem Stress führt. Manchmal werden die Gefühle komplett verdrängt, um weiter funktionieren zu können.

Hungern, Erbrechen oder extremer Sport werden zur Methode, um die Wahrnehmung unangenehmer Emotionen zu vermeiden. Das kontrollierte Essverhalten oder die intensive Beschäftigung damit vermitteln Ablenkung und das Gefühl, sich selbst wieder im Griff zu haben – was oft sogar (vorübergehend) Glücksgefühle auslösen kann. Diese Bestärkung wiederum kann in die Sucht führen, das Verhalten ist nicht mehr zu stoppen.

Soziale Ängste

Jugendliche mit geringem Selbstwert passen sich oft den Erwartungen anderer an und stellen in ihren sozialen Kompetenzen unerfüllbar hohe Ansprüche an sich selbst. Die Magersucht bietet ihnen einen Rückzugsort, in dem sie selbst die Kontrolle übernehmen und nach eigenen Regeln leben. Möglicherweise erfahren sie durch Diät-„Erfolge“ sogar bisher nicht gekannte positive Aufmerksamkeit und Verstärkung.

Mangel an Zuwendung 

Essstörungen wie Magersucht entstehen oft durch empfundene fehlende emotionale Zuwendung. Subjektive Gefühle von mangelnder Aufmerksamkeit und Unterstützung können unbewusst in Krankheitssymptome führen, da die Erfahrung zeigt, im Krankenstand besondere Würdigung zu erfahren. Es besteht dann ein sog. „Krankheitsgewinn“, der die Symptomatik aufgrund der „guten Erfahrung“ aufrecht erhält. Da Verweigerung von Essen in unserer heutigen Überflussgesellschaft ein stark aktivierendes Signal für die Bezugspersonen darstellt, kann dieses Thema in der Familie beherrschend werden und – auf pathologische Weise – als Verbindung stiftend erlebt werden.

Innere Leere

Manche Jugendliche tun sich schwer damit, eigene Bedürfnisse zu erkennen und zu vertreten, Gefühle wahrzunehmen, Stellung zu beziehen, in positive Beziehung zu anderen zu gehen oder Entscheidungen zu treffen. Dadurch kann das Gefühl einer inneren Leere entstehen, die mitunter schwer auszuhalten ist. Ein solch starkes negatives Gefühl mit hohem inneren Druck benötigt Ventile, um die unangenehme Anspannung lösen. Nicht selten können nur starke Gegenreize wie selbstschädigende Aktivitäten diesem Zweck genügen.

Selbstschädigungen können neben selbstverletzendem Verhalten, Drogen- oder Alkoholkonsum auch extremes Frustessen, Erbrechen oder (selbststrafender) Nahrungsverzicht sein.

Was ist Magersucht?

Magersucht (Anorexia nervosa) ist eine ernste Essstörung, die mit Suchtcharakter einhergeht. Sie zeigt sich durch eine selbst herbeigeführte Gewichtsabnahme und unrealistisch negativ verzerrte Wahrnehmung des eigenen Körpers. Betroffene haben Angst vor Gewichtszunahme oder dem Essen. Sie sind gedanklich völlig eingeengt, denken ständig an Essen, Kalorien und Gewicht.

Körperliche Folgen sind z.B. Ausbleiben der Periode, langsamer Herzschlag, Haarausfall und Erschöpfung. Für altersentsprechende Interessen bleibt kein Raum mehr, es bestehen daneben oft eine hohe Leistungsorientierung, ausgeprägte Kontrollwünsche mit z.T. zwanghaften Verhaltensweisen, depressive Züge und geringe Selbstfürsorge.

Diagnose

Die Diagnose erfolgt durch psychiatrische Untersuchungen und Einschätzung des Essverhaltens. Sehr wichtig ist der körperliche Befund (internistisch-neurologische Untersuchung, Laborwerte, EKG), um lebensbedrohliche Gefährdungen (Herzrhythmusstörungen, Kreislaufkrisen) auszuschließen. Der gesamte Behandlungsverlauf wird engmaschig ärztlich überwacht, da es immer wieder zu Folgesymptomen kommen kann (Magen-Darm-Probleme, Stoffwechselentgleisungen usw.).

Eine stationäre Beobachtung ist anzuraten, wenn ambulant keine Verbesserung erreicht wird (nicht zu lange warten!), der körperliche Zustand sehr schlecht ist oder die Familie durch die Essensthematik völlig überlastet ist.

Ursachen

Magersucht (auch Anorexie genannt) hat meist nicht eine, sondern viele Ursachen. Die Therapie ist komplex, da Betroffene oft nur geringe Krankheitseinsicht haben und sich mit dem eigenen Genesungswunsch schwertun.

Magersucht entsteht meist durch mehrere Faktoren:

  • Persönliche Faktoren wie geringes Selbstwertgefühl, Perfektionismus, soziale Unsicherheit, starkes Anpassungsbedürfnis, mangelnde Selbstfürsorge
  • Gesellschaftliche Einflüsse wie das Schlankheitsideal
  • Häufige Diäten in Familie oder Umfeld (Selbstdefinition über Figur und Ernährung als wesentliches Thema)
  • leistungsorientiertes Umfeld
  • Leistungssport oder Sportarten, die an Gewichtsvorgaben gebunden sind
  • ggf. erbliche Veranlagung

Therapie

Frühe ambulante Therapie kann helfen, benötigt aber Mitarbeit von Betroffenen und Angehörigen. Wenn bei Untergewicht Gewichtsziele von 200-300g/Woche länger nicht erreicht werden oder das Gewicht weiter fällt oder die Familie mit der Thematik an Grenzen gerät, ist eine stationäre Behandlung sinnvoll. Dort ist die Ernährungstherapie inkludiert und der Patient lernt in Eigenverantwortung den Umgang mit der Essstörung. 

Unsere Therapie zielt auf Symptomebene auf Normalisierung des Ess- und Sportverhaltens und bezüglich der Ursachen auf die individuelle psychotherapeutische Behandlung ab. Dabei beziehen wir auch das soziale Umfeld des Patienten mit ein.

Die Therapie basiert auf drei Säulen: somatische und Ernährungstherapie, individuelle Psychotherapie und multimodale Ansätze, um die Alltagsfähigkeit wiederherzustellen und eine Perspektive zu entwickeln.

Schwierige Anfangsphase

Die Therapie ist besonders am Anfang schwer. Patient*innen sind sehr in der Anorexie gefangen und haben oft keinen nachhaltigen eigenen Behandlungsauftrag. Das Hungern gibt eine gewisse Kontrolle und ist mitunter Teil ihrer Identität. Die Krankheit aufzugeben bedeutet scheinbar, das Konstrukt der Kontrolle und Selbstdisziplin zu verlassen: Was bleibt dann noch? Wer bin ich ohne Anorexie, wer interessiert sich dann noch für mich? Wie soll ich ohne Krankheit mich all den Anforderungen des Lebens aussetzen? Was ist das überhaupt, „Leben“? 

Therapie-Bausteine

In der Psychotherapie arbeiten wir individuell an den Ursachen und Erhaltungsfaktoren der Krankheit.

Essgewohnheiten werden Schritt für Schritt normalisiert – von vorportioniertem Essen bis hin zur Selbstverantwortung.

Die Körpertherapie hilft, den eigenen Körper wahrzunehmen und besser zu akzeptieren. Sport wird sukzessive und maßvoll integriert, ohne Leistungsdruck.

Familien oder wichtige Bezugspersonen werden altersabhängig in die Therapie einbezogen. Unsere Klinik bietet für jede*n Patient*in mit Essstörung einen individuellen Therapieplan an.

Symptome

Bulimie zeigt sich durch mindestens zwei Essattacken pro Woche über drei Monate. Die Betroffenen essen dabei impulsiv große Mengen, wahllos zusammengestellt („der Kühlschrank wird geleert“). Sie denken ständig an Essen und haben Heißhunger. Häufig folgen Gegenmaßnahmen wie Erbrechen, Abführmittel oder Hungerphasen. Das Körperbild ist meist verzerrt; sie fühlen sich „zu dick“. Erbrechen ist nicht das Schlüsselsymptom dieser Diagnose, sondern die Essanfälle.

Ursachen

Unsicherheit und impulsives Verhalten führen oft zu Essattacken als „Ventil“. Betroffene suchen Anerkennung durch körperliche Attraktivität. Manche nutzen Erbrechen, Selbstverletzung, Drogen oder riskantes Verhalten als Bewältigungsstrategien. Ein Drittel ehemaliger Magersüchtiger entwickelt später Bulimie, wenn unterdrückte Bedürfnisse plötzlich stark werden.

Therapie

Die Therapie hilft, Essen weniger überwertig und kontrollierter zu handhaben. Dazu gehören Ernährungsberatung und alternative Methoden zur Anspannungslösung, um Erbrechen unterlassen zu können. Da das Gewicht meist normal ist, sind keine Gewichtszunahme-Maßnahmen nötig. Psychotherapie und Kreativtherapien klären Hintergründe, arbeiten an dysfunktionalen Überzeugungen und Impulskontrolle und fördern altersentsprechende Kompetenzen, Selbstakzeptanz und Körperbild.

Binge-Eating-Störung

Die Binge-Eating-Störung (BES) zeigt sich durch wiederholte Heißhunger-Attacken. Betroffene essen aber grundsätzlich schneller und mehr als andere. Es werden keine gewichtsreduzierenden Gegenmaßnahmen ergriffen, weshalb meist starkes Übergewicht oder Adipositas (BMI über 30) vorliegen. Betroffene fühlen sich oft schlecht, schämen sich wegen ihres Kontrollverlusts und essen meist heimlich.

Ursachen

Unregelmäßige Essgewohnheiten und Frustessen oder häufiges Essen über den Hunger hinaus sind oft Vorläufer. Negative Gefühle oder innere Leere lösen oft die Essattacken aus. Unsicherheit, Rückzug, Ängste oder Depressionen können Ursache oder Folge sein.

Behandlung

Essanfälle sind oft Antwort auf seelischen Stress. Bei BES ist das Hunger-Sättigungs-Gefühl oft gestört, und das Verlangen nach Essen stark. Die Therapie zielt neben der Bearbeitung konkreter Ursachenfaktoren auf das Erlernen von Lösungs– und Stressbewältigungsstrategien ab. Unsicherheiten wie sozialen Ängste und mangelndem Selbstwert wird mit Übungsprogrammen zur sozialen Kompetenz und Ressourcen-orientiertem Vorgehen begegnet. Des Weiteren wird ein angemessener Umgang mit Ernährung geübt. In der Regel wird Aktivierung ggf. zur behutsamen Gewichtsregulation und für ein gesünderes Körpergefühl einbezogen. 

Therapie bei Essstörungen

Unsere Klinik sieht für jede*n Patient*in mit Essstörung – Magersucht, Bulimie und Binge Eating – einen individuellen Therapieplan vor.

Therapieansatz – was wir tun

Die Behandlung besteht aus mehreren Bausteinen und wird auf den Einzelnen abgestimmt. Bei Untergewicht ist eine kontrollierte Gewichtszunahme mit Hilfe eines Ernährungsplans nötig. Dies nimmt insbesondere für den Patienten einen hohen Stellenwert ein und ist gesundheitlich auch wichtig, steht aber eigentlich nicht im Mittelpunkt. Entscheidend ist das Wiedererlernen eines normalen Ess- und Sportverhaltens. Anfangs helfen wir bei der Portionsgröße und dosieren körperliche Aktivität, später übernehmen die Patient*innen selbst Verantwortung. Sie werden engmaschig bei den Mahlzeiten von Ernährungsfachkräften und geschulten Mitarbeiter*innen des Pflege- und Erziehungsdienstes begleitet. 

Die Verteilung auf mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag ist eine Strategie, die für alle Formen von Essstörung sinnvoll ist. Bei Bulimie ist wichtig, vor allem nach Nahrungsaufnahme gut zu unterstützen und alternative Strategien zu entwickeln, die das Erbrechen bzw. die Essattacken (auch bei Binge Eating gültig) bei negativem Befinden ablösen können. 

Auch der Umgang mit Sport wird neu erlernt. Sportarten in der Gruppe oder im Fitnessbereich fördern das Körpergefühl und und sollen leistungsfrei Freude an Bewegung wecken.

Ein wichtiger Schwerpunkt außerdem ist die gezielte Arbeit an Körperbild und Körperwahrnehmung, die meist unrealistisch verzerrt ist. Sport- und Tanztherapie sind hierfür besonders geeignet.

Zentral aber ist die intensive Einzelpsychotherapie, um an den Hintergründen der Erkrankung zu arbeiten. Zusätzlich gibt es kreative Verfahren wie Musik-, Tanz-, Kunst-, Bewegungs-, Ergo- oder tiergestützte Therapie (Reittherapie, Therapiehund). Diese sogenannten nonverbalen Verfahren erleichtern oft den emotionalen Zugang und sind daher, optimal abgestimmt auf die persönliche Psychotherapie, maßgeblich an der ganzheitlichen Herangehensweise beteiligt. Freizeitangebote und das Miteinander mit wesensähnlichen, internalisierenden Patient*innen laden dazu ein, Neues auszuprobieren und Freude an gemeinsamen Aktivitäten ohne Leistungsdruck zu entdecken. Angehörige werden nach individuellem Bedarf in die Therapie einbezogen. Bei Jugendlichen sind Familiengespräche fester Bestandteil. Schulunterricht kann durch die Schule für Kranke in den Hauptfächern aufrechterhalten werden. 

Vom Klinikaufenthalt zur Selbstständigkeit

Mit wachsender Stabilität übernehmen die Patienten mehr Verantwortung. In der Gewichtserhaltungsphase lernen sie, ihr Zielgewicht auch im Alltag zu halten und Sport mit Maß zu betreiben. Spezifische Kochgruppen, alltagsnahe Übungen wie Restaurantbesuche und gut vorbereitete Erprobungsbeurlaubungen nach zu Hause bereiten auf die Entlassung vor.

Durch die Übungsphasen im eigenen Umfeld zeigt sich, wie gut sich das Gelernte umsetzen lässt. Probleme werden besprochen, Lösungen entwickelt.

Die Entlassung erfolgt erst, wenn das Zielgewicht über vier Wochen eigenständig gehalten wird bzw. ein guter Umgang mit Essen und Sport gelingt. Inhaltlich soll der Patient bis dahin in allen relevanten Bereichen gestärkt sein, die ihn zuvor belasteten oder in denen er sich nicht ausreichend kompetent fühlte. 

Wünschenswert ist zudem ein positiveres Körper- und Selbstbild. Parallel planen wir schulische oder berufliche Wege, ggf. institutionelle Hilfsmaßnahmen und fördern den Aufbau sozialer Kontakte, um den Neustart im Alltag zu sichern. Zur guten Entlassungsvorbereitung gehören außerdem Kenntnisse zur Rückfallprophylaxe, Beteiligung wichtiger Bezugspersonen und die Informationsweitergabe an den ambulant weiterbehandelnden Therapeuten, damit ein nahtloser Übergang gewährleistet ist. 

HEMERA ist eine Klinik für Jugendliche und junge Erwachsene (sonst wird ab dem 18. Lebensjahr die Erwachsenenpsychiatrie zuständig) mit Spezialisierung u.a. auf die Behandlung von Essstörungen. In unserer Klinik behandeln wir alle Arten von Essstörungen wie zum Beispiel die Magersucht (Anorexia Nervosa), Bulimie oder Binge Eating. Zielgruppe unserer Klinik sind Jugendliche und junge Erwachsene mit gestörtem Essverhalten und ggf. anderen begleitenden Störungsbildern.

Unser spezielles, altersübergreifendes Behandlungskonzept kombiniert die entscheidenden Therapieelemente aus den Fachbereichen der Kinder- und Jugendpsychiatrie als auch der Erwachsenenpsychiatrie. Damit ist HEMERA als eine auf das Heranwachsenden-Alter (ca. 14 bis 27 Jahre) spezialisierte Gesamtklinik einmalig in ganz Deutschland.

Wir behandeln bewusst Patienten mit Essstörungen nicht als isolierte Gruppe, sondern innerhalb eines Diagnose-gemischten Settings, so dass sie auch alltäglich in Kontakt mit essstörungsfreien Patienten sind. Dabei liegt der Schwerpunkt auf internalisierenden Erkrankungen, so dass ein sicherer Rahmen für sensible junge Menschen geschaffen wird.