

Depressive Störungen
Depressionen äußern sich bei Kindern und Jugendlichen oft anders als bei Erwachsenen. Statt anhaltender Traurigkeit zeigen sie häufiger Gereiztheit, Stimmungsschwankungen oder gar Aggressionen. Appetit- und Schlafstörungen sind typisch – bei Jugendlichen oft in Form von vermehrtem, aber nicht erholsamem Schlaf. Häufige Anzeichen sind auch Konzentrationsschwierigkeiten, Leistungsabfall, geringe Frustrationstoleranz, sozialer Rückzug, Interessenverlust und Antriebslosigkeit.
Suizidgedanken, Selbstverletzungen oder ein Substanzmissbrauch („Selbstmedikation“) können vorkommen. Die Symptome behindern die Alltagsfähigkeit und somit wichtige Entwicklungsprozesse.
Unser therapeutischer Ansatz
Wir arbeiten mit fürsorglicher Bezugsbetreuung und sehr lebensbezogen, um Jugendlichen rasch wieder zu neuem Mut zu verhelfen. Je nach Schweregrad sind anfänglich stabilisierende Maßnahmen und die Wiederherstellung eines gesundes Tag-Nacht-Rhythmus mit erholsamem Schlaf wichtig.
Die Psychotherapie geht im Einzelsetting konkret auf die individuellen zugrundeliegenden Themen ein. Familie oder andere Bezugspersonen werden auf Wunsch einbezogen. Alle therapeutischen Verfahren werden synergistisch auf die Belange des Patienten abgestimmt.
Individuelle Therapieangebote
Kreativtherapien wie Musiktherapie, Kunsttherapie oder Tanztherapie fördern Motivation und Selbstausdruck. Freizeitangebote regen dazu an, Neues auszuprobieren. Unser Ziel ist, Selbstständigkeit und Eigenverantwortung zu stärken. Dabei berücksichtigen wir alle Lebensbereiche – Schule, Familie, soziale Kontakte und Freizeit.
Die Entlassung bereiten wir durch Beurlaubungen vor, in denen die Heranwachsenden ihre Fortschritte im Alltag erproben. Bezugspersonen unterstützen wir dabei, ein stabiles Umfeld zu schaffen und gut über ihre Mitwirkungsmöglichkeiten Bescheid zu wissen.
Depressionen sind die häufigste psychische Erkrankung – auch bei Jugendlichen.
Viele Faktoren wie belastende Erfahrungen, chronische Über- oder Unterforderung, Veränderungen in den Lebensumständen, Ängste, Stress oder biologische Ursachen können bei der Entstehung eine Rolle spielen. Die Erkrankung kann schleichend beginnen und manchmal als fehlende Anstrengungsbereitschaft missverstanden werden.
Eine Vorstellung bei einem Kinder- und Jugendpsychiater oder Psychotherapeuten kann diagnostische Klärung herbeiführen und mit früher Intervention einer Verschlimmerung vorbeugen. Bei fehlender Behandlung beeinträchtigen Depressionen die Entwicklung, vor allem, wenn sie in der wichtigen Entwicklungsphase des Kindes- oder Jugendalters beginnen.
Belastungen und Risiken
Nicht alle Menschen unter Stress erkranken an Depression. Auch Belastungssituationen wie Trennung der Eltern, Liebeskummer, Schulprobleme oder Mobbing wirken sich nicht auf jede Person gleich aus.
Eine ausgeprägte Sensibilität oder geringes Selbstvertrauen bringen ein erhöhtes Risiko mit sich. Auch ständiger Stress, Überforderung und soziale Unsicherheit können dazu führen. Kritisch wird es für jeden, wenn mehrere belastende Ereignisse gleichzeitig auftreten und die Widerstandskraft („Resilienz“) immer mehr erschöpft ist. Weitere biologische Aspekte sind hormonelle Veränderungen in der Pubertät (besonders bei Mädchen), umfangreiche Hirnreifungsprozesse (diese sind erst im Laufe des dritten Lebensjahrzehnts abgeschlossen!) und eine genetische Veranlagung: Kinder depressiver Eltern haben eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit selbst zu erkranken (die gute Nachricht ist aber, dass dann meist das beim Elternteil erfolgreiche Medikament auch beim Kind hilft).
Frühzeitiges Erkennen ist entscheidend
Eine frühe Diagnose verbessert die Heilungschancen deutlich. Eltern und Bezugspersonen sollten genau hinschauen: Ist der Rückzug noch altersgerecht oder schon ein Warnsignal? Wie ist die Interessenlage, die emotionale Schwingungsfähigkeit?
Warnzeichen können sein:
- Rückzug von Familie oder Freunden
- Konzentrationsprobleme und sich verschlechternde Leistungen
- Erschöpfung, Antriebslosigkeit
- Desinteresse an früheren Hobbies
- Gereiztheit, Freudlosigkeit, Schlaf- oder Essprobleme
- Vernachlässigte Körperpflege
- Krankheitsgefühl ohne erkennbare Ursache
- Fehlzeiten in Schule oder Beruf
Weitere, besonders in der Jugend ausgeprägte Symptome
- Geringes Selbstwertgefühl
- Zukunftsängste und Hoffnungslosigkeit
- Anhaltend depressive Stimmung, Herabgestimmtheit und häufiges Weinen
- Suizidgedanken und/oder selbstverletzendes Verhalten
- Kompensationsversuche durch Alkohol, Drogen oder hohen Internetgebrauch
In solchen Fällen sollte professionelle Hilfe aufgesucht werden.
Depressionen bei Jugendlichen – Symptome
Woran erkennt man Depressionen bei Kindern und Jugendlichen?
Depressionen betreffen auch Kinder und Jugendliche – von leichter Verstimmung bis zur schweren Erkrankung. Bei Jugendlichen ist es oft schwer zu unterscheiden, ob es sich um pubertäre Stimmungsschwankungen oder eine echte Depression handelt.
Trotzdem gibt es typische Anzeichen: Traurigkeit, sozialer Rückzug, Ängstlichkeit und Unsicherheit. Viele zeigen Konzentrationsprobleme und geringere Frustrationstoleranz. Die schulischen Leistungen verschlechtern sich. Häufig berichten Betroffene von Schuldgefühlen und starker Selbstkritik.
Auffällige Symptome – Kinder und Jugendliche mit Depressionen zeigen oft:
- Niedergeschlagenheit und Resignation
- Weniger Freude an früheren Hobbys
- Wenig Antrieb und Motivation
- Rückzug von Familie und Freunden
- Konzentrations- und Gedächtnisprobleme
- Schulische Leistungsabfälle
- Appetit- oder Schlafstörungen
- Geringes Selbstvertrauen und wachsende Selbstzweifel
Psychische und körperliche Anzeichen
Gerade in der Pubertät ist es schwer, Depressionen zu erkennen. Stimmungsschwankungen gehören zur Entwicklung. Kritisch wird es, wenn zusätzlich Hoffnungslosigkeit, Apathie, Reizbarkeit und Antriebslosigkeit auftreten.
Oft zeigen sich auch körperliche Beschwerden: Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder Appetitlosigkeit mit Essproblemen.
Behandlungselemente
Leichte Depressionen lassen sich oft ambulant behandeln, wenn Jugendliche ihren Tagesablauf noch bewältigen (z. B. Schulbesuch, soziale Kontakte). Schon allein die diagnostische Abklärung und Erläuterungen zum Krankheitsbild können sehr entlasten, da sie die Veränderungen in Verhalten und Stimmung erklären und den Weg zu weiteren Maßnahmen weisen.
Ist ein Alltag nicht mehr möglich oder besteht Suizidgefahr, ist eine stationäre Behandlung notwendig.
Die Therapie muss auf Alter und Entwicklungsstand abgestimmt sein.
Je nach Schweregrad der Depression helfen folgende Maßnahmen:
- Aufklärung von Jugendlichen und Eltern über die Krankheit
- Individuelle Psychotherapie als zentrales Element
- Erkennen negativer Grundannahmen und Denkmuster
- Erlernen alternativer Sicht- und Verhaltensweisen
- Veränderung dysfunktionaler Verhaltensmuster
- ggf. Bearbeitung von konkreten Belastungsfaktoren
- Identitätsfestigung
- Verbesserung des Umgangs mit Emotionen
- Analyse und Veränderung belastender Alltags- oder Familiensituationen
- Stärken von Kompetenzen (Selbststrukturierung, Problemlösung, sozialer Umgang, Anspannungsreduktion) und altersentsprechender Autonomie
- Gegebenenfalls begleitende medikamentöse Therapie
Stationäre Therapie
Stationäre Aufenthalte sind nötig bei schweren Ausprägungen, reduzierter Alltagsbewältigung und Suizidalität. Kliniken bieten dafür passende Bedingungen:
- Ein stationäres Umfeld schafft Abstand vom Alltag und fördert die Fokussierung auf sich selbst.
- Bei ausgeschöpften Versuchen zu Hause können mit der fachlicher Unterstützung wieder eine Tagesstruktur und Aktivitäten aufgebaut werden.
- Das Therapie-Angebot ist multiprofessionell und vielfältig: Neben der individuellen Psychotherapie tragen zahlreiche Kreativtherapien wie Kunst-, Musik-, Tanz-, Ergo-, Sport- oder tiergestützte Therapien zur Weiterentwicklung bei, sowie eine persönliche Perspektivenplanung durch den Sozialdienst. Und: Das jugendpsychiatrische Bezugsbetreuersystem hilft beim Transfer der erlernten Therapie-Inhalte in den eigenen Alltag.
- Das Umfeld mit – in der HEMERA Klinik – wesensähnlichen, sensiblen, gleichaltrigen Mitpatienten motiviert durch neue, positive Erfahrungen.
- In einem solchen geschützten Rahmen können alterstypische Symptome wie soziale Unsicherheit, Probleme mit dem Körperbild, mangelnde Autonomie-Kompetenzen, schwieriger Zugang zu Gefühlen oder geringe Selbstakzeptanz ergänzend auch gruppentherapeutisch adressiert werden.
- Der stationäre Aufenthalt bereitet sorgfältig mit Erprobungen im eigenen Umfeld auf die Entlassung vor, damit der Therapie-Erfolg nachhaltig bleibt.
- Angehörigenarbeit kann bei Bedarf intensiviert werden.
Weitere Schwerpunkte der Therapie für den Alltag:
- Belastungen abbauen
- Aktivitäten fördern
- Tagesstruktur aufbauen
- Negative Gedankenmuster erkennen und verändern
- Selbstwert und soziale Fähigkeiten stärken
- Problemlöse-Strategien trainieren
- Methoden zur Anspannungsreduktion erlernen
- Belastungsfaktoren klären
- Selbstwirksamkeit erleben
- Perspektive finden
Burnout bei Jugendlichen
„Burnout“ ist keine psychiatrische Diagnose.
Man versteht darunter eine depressionsähnliche Entwicklung, die konkret bezogen ist auf eine Überlastung im persönlichen Alltag. Eine Fachärztin/ein Facharzt kann diagnostisch beurteilen, ob die Erschöpfung psychiatrischen Krankheitswert hat. Weitet sich das Gefühl des Ausgebranntseins auf weitere Lebensbereiche aus, kann dies zu einer depressiven Erkrankung führen. Bei negativer Erwartungshaltung und geringem Selbstvertrauen können Angststörungen mit ausgeprägtem Vermeidungsverhalten oder Rückzug eine Folge sein.
Gründe für Burnout bei Heranwachsenden
Häufige Ursache ist der gestiegene Leistungsdruck in unserer Gesellschaft, der zu Stress führt. Das Schulsystem ist für viele sehr fordernd. Gleiches kann an Universitäten oder in der Ausbildung der Fall sein. Wir erleben oft, dass Heranwachsende selbst sehr hohe Ansprüche an sich stellen und für sich nur Bestleistungen akzeptieren können. Des Weiteren können Belastungen im Umfeld wie Mobbing oder erlebte Ungerechtigkeiten sowie Interaktionsschwierigkeiten ein Stressempfinden verstärken. Ein „Burnout“ kann auch durch chronische Sorgen im Privatleben entstehen, wie familiärer Streit, Erkrankungen eines Angehörigen oder finanzielle Nöte.
Signale eines drohenden Burnouts
- Erschöpfungsgefühle vor allem hinsichtlich eines bestimmten Alltagssettings (Schule, Beruf, zu Hause)
- Frustrationsintoleranz, negative Erwartungshaltung, Zynismus
- Leistungsabfall, mangelnder Antrieb innerhalb des belastenden Settings
- depressionsähnliche Entwicklung
- Krankheitsgefühle, Fernbleiben von Schule / Beruf
- Übersprungshandlungen wie Selbstverletzungen oder Substanzmissbrauch, Rückzug ins Internet
Therapie des jugendlichen Burnouts
Das Ziel der Therapie ist es, den jungen Menschen zu helfen, sich besser vor äußerem Druck zu schützen. Sie sollen Techniken zur Stressbewältigung und Achtsamkeit für eigene Bedürfnisse erlernen. Dazu gehört auch ein angemessener Umgang mit Emotionen sowie eine Abgrenzungsfähigkeit. Die oft bestehende Selbstabwertung ist ebenfalls Gegenstand der Psychotherapie. Diese wird im stationären Rahmen mit kreativen Methoden kombiniert, was eine intensivere, multimodale Therapie ermöglicht. Auf die interdisziplinäre Zusammenarbeit aller beteiligten Therapeut*innen zur synergistischen Behandlungsgestaltung wird in der HEMERA Klinik besonderer Wert gelegt. Über niedrigschwellige Übungsfelder wie hausinternen Unterricht oder Arbeitstherapie kann die Belastungsfähigkeit wieder aufgebaut werden. Ansonsten greifen viele Inhalte der klassischen Depressionsbehandlung.
Die HEMERA Klinik behandelt Jugendliche und junge Erwachsene mit psychischen Erkrankungen, besonders mit Angststörungen, Depressionen und Essstörungen. Das altersübergreifende Konzept schafft einen geschützten Rahmen für eher introvertierte Patient*innen und erleichtert das Einleben in die Gruppe. Die Klinik vereint Elemente aus Jugend- und Erwachsenenpsychiatrie – ein in Deutschland einzigartiges Modell.
Behandlung bei Burnout
Ein starkes „Burnout“ geht oft in eine depressive Störung über. Wer den Verdacht auf ein schweres Burnout hat, sollte sich zunächst ambulant von einem Psychiater oder Psychotherapeuten untersuchen lassen. Bei schwerer Beeinträchtigung des Alltags ist eine stationäre Behandlung in einer spezialisierten Klinik sinnvoll. Die Diagnostik berücksichtigt den individuellen psychischen Zustand und die berufliche sowie private Situation des Patienten. Auf dieser Basis können die richtigen Therapien geplant werden.



