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26. Juli 2011
Hemera Innen

45 Therapieplätze für psychisch erkrankte Jugendliche und junge Erwachsene

Hemera-Klinik: Bald finden hier psychisch erkrankte Jugendliche und junge Erwachsene Hilfe.

Die Pläne, Therapieplätze für psychisch erkrankte Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 27 Jahren anzubieten, sind weit gediehen. Harald Barlage, Chef zweier Rehazentren in Bad Bocklet und Bad Kissingen, wollte die neue Hemera-Klinik eigentlich woanders einrichten, doch als das Haus Maria Amalie frei wurde, war das eine willkommene Gelegenheit. Das Konzept sieht in der Schönbornstraße ab 1. Januar 2012 insgesamt 45 Plätze vor. Am heutigen Dienstag will sich der städtische Bauausschuss damit befassen.

Die Trennung zwischen Jugend- und Erwachsenenpsychiatrie fand Barlage schon immer „zu scharfkantig”: Sobald man 18 ist, wird man in der Klinik der Erwachsenen therapiert. Für viele Erkrankte sei das kontraproduktiv, sagt der Geschäftsführer. „Die psychischen Probleme manifestieren sich.” Manchmal brauchen Jugendliche mehrere Therapiezyklen und müssten dann, wenn sie volljährig wurden, beim zweiten Aufenthalt in die Erwachsenen-Klinik wechseln. Die durchlässige Altersstruktur in der neuen Klink ist laut Barlage in dieser Form neu und „kommt den jungen Menschen entgegen”.

„So viel Normalität wie möglich, so wenig Psychiatrie wie nötig”

Claudia Mehler-Wex Chefärztin der Hemera-Klinik

Eine solche altersübergreifende Einrichtung ist „einmalig in Deutschland”, sagt die künftige Hemera-Chefärztin Claudia Mehler-Wex im Gespräch mit der Main-Post. Die 39-Jährige hat seit 2007 eine Professur an der Uni Ulm und weiß aus ihrer wissenschaftlichen Arbeit, dass es jungen Leuten heute schwerer fällt als früher, sich selbst zu finden.

Kinder und Jugendliche würden in der modernen Gesellschaft viel früher mit der Erwachsenenwelt konfrontiert. Aber auch die informelle Überflutung, nicht zuletzt durchs Internet, generiere Probleme, welche jungen Leuten in der Pubertät zu schaffen macht, sagt die Ärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Mittels einer„sehr aktiven motivierenden Therapie” will man in Bad Kissingen den jungen Leuten dazu verhelfen, wieder positiv nach vorn zu schauen, sagt Mehler-Wex.

Dabei gilt: So viel Normalität wie möglich, so wenig Psychiatrie wie nötig. Jeder Patient bekommt seinen individuellen Therapieplan. Musik-, Ergo-, Kunst- und Arbeitstherapien gehören zum Grundangebot. In der Freizeit kann man sporteln oder kreativ sein. Wer noch schulpflichtig ist, bekommt Unterricht, entweder im Haus oder an externen Schulen, erklärt die Chefärztin. „Aber auch in der Berufsfindung wollen wir die Jugendlichen unterstützen.”

Eines macht Mehler-Wex jedoch gleich klar: „Wir sind keine akute Versorgungsklinik.” Eine geschlossene Abteilung gibt es nicht. Psychisch schwer Kranke könnten in der Hemera-Klinik nicht behandelt werden. Vielmehr werden hier „reaktive Belastungsreaktionen” therapiert, so Mehler-Wex. Schwerpunkte sind beispielsweise Essstörungen, Angst- und Zwangserkrankungen, sowie Somatisierungsstörungen.

Vor gut einer Woche schaltete Barlage die erste Anzeige in der Zeitung, um geeignetes Fachpersonal anzusprechen. „Wir suchen sehr früh Personal, um die Leute zu erreichen, bevor sie in Urlaub fahren.” Die Einstellungsgespräche könnten Ende August oder Anfang September stattfinden. 30 bis 35 Personen werden in der Klinik angestellt.

Nach einer positiven Entscheidung des Bauausschusses, könnte es schon ein paar Wochen später mit der Sanierung des Hauses Amalie losgehen, sagt Barlage. Das Gebäude muss entkernt und den neuen Bedürfnissen entsprechend ausgebaut werden. Selbst wenn die Klinik am 1. Januar eröffnet wird, will der Geschäftsführer „alles ganz langsam anlaufen lassen”. Das habe sich auch in der Recuro-Klinik bewährt. Erst einmal soll das Personal sich einarbeiten und die Abläufe des Hauses kennenlernen, bevor eine maximale Belegung angestrebt wird.

Quelle: Mainpost