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Behandlung von Magersucht


Behandlung und Hilfe bei Magersucht

In Fachkreisen ist man sich inzwischen einig, dass bei Jugendlichen ggf. nicht nur die familiären Beziehungen und sozialen Interaktionen beim Heranwachsen als zunehmend soziokulturelle sowie neurobiologische Faktoren, ebenso wie eine genetische Disposition, zur Magersucht (Anorexia nervosa) führen können.

Insgesamt fußt die Magersucht-Therapie auf drei Säulen:
Die somatische Therapie und Ernährungstherapie, eine individuelle, ganzheitliche, d.h. alle Lebensaspekte berücksichtigende psychotherapeutische Behandlung und – wenn im sozialen Kontext des Patienten machbar und angemessen – eine Einbeziehung der Familie.

Für die Einleitung einer stationären Behandlung bei Magersucht (Anorexia Nervosa) in einer jugendpsychiatrischen Klinik sollten folgende Kriterien erfüllt sein:

Medizinische Kriterien

 

  • selbst herbeigeführter, fortgesetzter, meist rapider Gewichtsverlust, der nicht gestoppt werden kann bzw. den der Betreffende nicht stoppen will, obwohl bereits ein Untergewicht erreicht worden ist
  • massive Einengung des Denkens und Handelns auf das Thema Ernährung
  • Störung der Körperwahrnehmung
  • Angst vor Essen, Wiegen
  • Ggf. bereits somatische (körperliche) Komplikationen

Psychosoziale Kriterien

 

  • die familiäre Interaktion ist aufgrund des zentralen Themas Essen stark konfliktbehaftet, die Situation überfordert die Beteiligten
  • sozialer Rückzug, Interessenverlust, ein altersentsprechendes Leben findet nicht stattScheitern ambulanter Behandlungsversuche

Behandlung der Magersucht

Eine stationäre Therapie  ist oft zielführender als ambulante Strategien, da die Essensituationen konkret durch Fachpersonal begleitet werden sowie kompakter und die Erkrankung insgesamt ganzheitlicher behandelt werden kann. Denn: Die Wahrnehmung des eigenen Körpers lässt sich nicht von einem Tag auf den anderen verändern. Das Behandlungskonzept umfasst Maßnahmen zur Normalisierung des Essverhaltens und zur Gewichtsrehabilitation sowie psychotherapeutische Verfahren. Oft ist es sinnvoll – bei jungen Minderjährigen unabdingbar – , die Familie als direktes Lebensumfeld in die Behandlung einzubeziehen.

Normalisierung des Gewichts erreichen

Eine bedeutende Rolle bei der Behandlung von Magersucht spielt die Verhaltenstherapie, in deren Verlauf über Verstärkung die Betroffenen bestimmte Gewichtsmarken erreichen sollen. Auch wenn die Gewichtszunahme eine Herausforderung für den Patienten ist, macht er doch die Erfahrung, dass der Körper wieder belastbarer, der Geist konzentrierter und die Stimmung besser wird, da auch viele Funktionsbereiche des zentralen Nervensystems im körperlich abgemagerten Zustand nur eingeschränkt funktionieren.

Wichtig ist eine kontinuierliche, nicht zu schnelle Gewichtszunahme, damit der Organismus die zugeführten Nährstoffe gesund verwerten kann. Zu schnelle Gewichtszunahmen sind schädlich und erhöhen das sofortige Rückfallrisiko, zumal angenommen werden muss, dass die hastige Gewichtszunahme ein unbewusster Abwehrmechanismus des Patienten sein könnte sich nur äußerlich, nicht aber intrapsychisch mit seinen Themen auseinanderzusetzen. Die Gewichtszunahme wird über Ernährungspläne, Ernährungsberatung und konkrete Portionierungshilfen mit gestuftem Übergang in die selbständige Handhabung unterstützt.

Einbeziehung der Familie

Wenn in der Praxis und vor dem Hintergrund der bestehenden sozialen Interaktion machbar, gehört die Einbeziehung der Familie zu den tragenden Säulen der Behandlung und bildet so eine echte Hilfe bei Magersucht. Hier muss es nicht zwingend gleich familientherapeutischen Maßnahmen kommen. Allein die Vermittlung an die Eltern, dass keine Schuld bei sich zu suchen ist, die Gründe oft vielfältig sind und die Familie viel zur Überwindung der Erkrankung beitragen kann, kann bereits einiges bewirken.

Verbesserung des Selbstwertgefühls und der sozialen Fähigkeiten

Kern der psychotherapeutischen Behandlung bilden u.a. Elemente der kognitiven Verhaltenstherapie. In deren Rahmen werden die Patienten intensiv dazu angeregt, die mit einer Essstörung verbundenen, dysfunktionalen Gedanken zu hinterfragen. Eine große Rolle spielen auch die eigene Einschätzung von Figur und Gewicht für das Selbsterleben und das Selbstwertgefühl der Jugendlichen. Bisherige Überzeugung werden hinterfragt und an deren Stelle neue, sich an der Realität orientierende Gedanken erarbeitet.

Im Rahmen einer ganzheitlichen Hilfe bei Magersucht werden nach individuellem Bedarf Kreativverfahren, tiergestützte Therapie, Achtsamkeits- oder Körperbildgruppenarbeit sowie sozialpädagogische Perspektivenplanung einbezogen. Wichtig vor Entlassung sind sog. Belastungserprobungen, d.h. therapeutische Beurlaubungen ins eigene Lebensumfeld, um die in der Klinik erworbenen Kompetenzen in den Alltag übertragen zu lernen und Sicherheit für die persönliche Zukunft zu gewinnen.